Sich mal Zeit für sich selbst zu nehmen ist so unfassbar uncool geworden, oder? Das scheint es zumindest zu sein, wenn man nicht gerade in einem 5-Sterne-Schicki-Micki-Luxus-Spa-Resort auf Bali sitzt (Nichts gegen Bali, btw. Wer wäre da nicht gern?). Uncool ist es irgendwie erst dann, wenn man einfach so gar nichts macht. Wenn man Zuhause rum sitzt und nicht mal lässig Pizza in sich hinein stopft, während man irgendwelche Serien auf Netflix suchtet. Uncool ist es so richtig, wenn du einfach nur da sitzt. Wenn du dir also wirklich Zeit für dich nimmst. So gar nichts Instagramwürdiges zu sagen oder zu zeigen hast. Und auch gar nichts zeigen und sagen willst. Kein großer Input, kein großer Output. Einkaufen gehen, Essen kochen, Geschirr spülen, ein bisschen arbeiten, ein bisschen ärgern, ein bisschen kuscheln. Einfach dem gewöhnlichen, stinkend langweiligen Alltag nachgehen und sich dabei von so vielen Ablenkungen wie möglich trennen.

Es begann vor sechs Wochen, als ich euch auf Instagram mitteilte, dass ich Mode bewusster konsumieren möchte. Das bedeutete für mich: verstärkt auf Materialien zu achten. Keine Impuls-Käufe mehr, die ich nicht gründlich durchdacht hatte. Nichts zu kaufen, was ich nicht wirklich brauche. Schön finden alleine sollte nun also nicht mehr reichen. Ich hatte den Anspruch, das Gefühl zu haben, dass mir dieses bestimmte Teil, das ich da kaufen möchte im Schrank fehlt. Endlich Second Hand zu kaufen. Hauptsächlich Second Hand. Außerdem auch mal Mode, die unterstützt (durch Spenden beispielsweise), bestärkt (durch mutmachende Sätze oder kritische Slogans) und verantwortungsbewusst mit Menschen und Ressourcen umgeht (Faire „Slow Fashion also). Das war das Ziel.

„Alles ok bei dir?““Geht’s Dir nicht gut?““Hast du schlecht geschlafen?““Oje, bist du krank?“- „Nein, du Depp! Nur ungeschminkt!“Ich liebe Make Up. Jeden Morgen freue ich mich auf dieses Ritual. Zähneputzen, Waschen, Schminken. Für mich ist das immer etwas sehr Entspannendes, ich bekomme da ein fast schon Spa ähnliches Gefühl. Diese Ruhe, nur für mich. Der Gedanke, mich für den kommenden Tag schick zu machen. Mich herauszuputzen. Den Tag selbst damit irgendwie als etwas besonderes zu feiern. Der abschließende Blick in den Spiegel; frischer, wacher und gepflegter auszusehen. Für mich der perfekte Start in den Tag. Letzte Woche aber habe ich das Ganze ausfallen lassen.

Ich wünsche mir so sehr, dass alle stets das in dir sehen, was ich sehe. Nämlich, dass du unglaublich klug bist. Und warmherzig. Liebevoll, neugierig und wunderschön. Ich weiß nicht, ob das etwas ist, das jede Mutter über ihre Tochter sagt. So sollte es zumindest sein. Aber es ist auf jeden Fall das, was ich über dich denke. Vor allem wünsche ich mir aber, dass du das über dich selbst denken wirst. Wenn auch nicht an jedem einzelnen Tag, wenn auch nicht immer mit der selben Tiefe und Inbrunst, wie ich es von dir denke. Oh, wie sehr ich hoffe, dass du es dennoch spürst. Dass dich dieser Glaube begleitet. Dich nährt, wenn du zweifelst.

Manchmal gefällt es mir so gut, nicht zu wissen, wo ich hingehöre. Ich lasse mich treiben, komme irgendwo an, bleibe dort oder treibe einfach weiter. Ich lasse mich fallen und riskiere, nicht aufgefangen zu werden. Ich gebe mich dem Leben einfach so hin. Denke an diesen großartigen Anblick unserer Erde. Weit weg, vom Weltall aus. Du weißt, welches Bild ich meine, oder? Kannst du dir diese Stille vorstellen? Diese absolute Bewusstwerdung der Nichtigkeit unserer Probleme? Aber dann. Überall Stimmen. Immer wieder gleich.

Über Instagram kann man ja sagen, was man will. Zu unecht, zu gefiltert, zu viel verschwendete Zeit, zu viele Shitstorms (ich kann jedem nur empfehlen, den eigenen Feed wirklich nur mit den Dingen und Menschen zu füttern, die einem wirklich gut tun – dann ist Instagram nämlich gar nicht mehr so schlimm) . Aber eins kann Instagram auf jeden Fall, nämlich mir immer wieder großartige, inspirierende, bewegende, wertvolle und wichtige Menschen, Unternehmen oder Organisationen präsentieren.