Die Schönheit der Ahnungslosigkeit

Wir wissen alle nicht, wie das Ganze hier läuft. Was unser Sinn ist. Warum wir bestimmte Dinge tun oder warum bestimmte Dinge sind, wie sie sind. Wir sind einfach da. Wir zerbrechen uns den Kopf, scheitern, wagen immer wieder neue Versuche. Aber letztendlich bleibt es dabei. Es sind Versuche. Wir leben dieses Leben und springen einfach hinein. Jeder von uns. Kaltes Wasser überall.

Deswegen möchte ich dir sagen, dass das normal ist. Demjenigen, der da gerade von seinem Bildschirm in meinen Text und meinen Kopf schaut: es ist normal! Wir sind alle durcheinander und wissen nicht wirklich, was wir tun.

(Und wieder einmal schreibe ich diese Worte, weil ich sie selbst manchmal gern gehört hätte. Weil ich oft glaubte, es ginge nur mir so mit der Verwirrtheit. Der Ahnungslosigkeit und dem Chaos im Bauch.

U N F U G.)

Ich bin damit nicht allein. Du bist nicht allein. Und falls es dir vorkommt, als wäre das anders, dann nur, weil die anderen ihre Maske aufgesetzt haben. Wie wir alle. Wer gibt schon gerne zu, dass er sich verloren fühlt? Dann und wann. Oder auch öfter. Dann bist du ja nicht mehr bewundernswert. Wirkst so, als hättest doch nicht alles im Griff. Professionell? Herrje, alles, nur das nicht.

Wir lernen schon so früh, wie das hier alles zu laufen hat. Hinterfragen nicht, jedenfalls nicht laut. Es könnte ja Ärger geben. Außerdem machen es doch alle so. Und die sind doch so glücklich. Oder? Wir wollen Mama und Papa nicht enttäuschen. Unsere Lehrer. Die Freunde. Oh Gott, die Nachbarn. Und später dann, wenn wir „groß“ sind, wundern wir uns, warum wir manchmal so gar nicht in dieses Schema passen, das doch eigentlich dazu gedacht ist, allen Menschen gerecht zu werden. Aber ist es das wirklich? Kann es das überhaupt jemals? Nein. Es gibt nichts, was zu allen Menschen passt. Du wirst niemals vollkommen hinein passen. Nicht einmal in deinen Freundeskreis. Nicht einmal in deine Ehe. Noch nicht einmal in deine Familie. Das ist die Last der Einzigartigkeit, die wir alle besitzen.

Und deswegen hör‘ mir zu und verinnerliche es: wir alle sind verwirrt. Suchen alle unseren Platz, gehen Kompromisse ein und müssen unser Leben immer wieder neu justieren. Du denkst, du hast alles im Griff? Ha, genieß‘ die zwei Minuten. Das Leben hat schon wieder eine kleine Überraschung für dich.

Vergleiche bringen gar nichts, außer dem Drang, sich ins Bett zu verkrümeln und darauf zu warten, bis die anderen auch endlich mal wieder auf die Nase fallen. Sie tun es. Glaub‘ mir. Auch wenn du und ich das nicht sehen.

Versuch‘ stattdessen, diese Ahnungslosigkeit zu genießen. Spring‘ hinein in dieses Wunder und überleg‘ dir doch mal, was für alberne Gestalten wir alle sind. Wie ulkig wir von außen betrachtet sind; mit all unseren Dingen im Kopf, den Terminen, den Prioritäten, dem Druck, den Sorgen, die eigentlich gar keine sind. Wie amüsant wir sind mit unserem Drang, alles in ein Muster zu pressen, mit dem Wunsch nach Routine und mit der Panik, die wir bekommen, wenn wir merken, dass das alles gar keinen Sinn ergibt. Es gibt sie einfach nicht für uns Menschen, die vollkommene und andauernde Klarheit. Deswegen glaub‘ dieses Märchen nicht. Lass‘ dich fallen. Weil es viel zu anstrengend ist, dagegen anzukämpfen. Du fällst ohnehin. Dann kannst du auch gleich den besten ahnungslosen Freefall der Welt hinlegen. And now: JUMP!