P A U S E.

Sich mal Zeit für sich selbst zu nehmen ist so unfassbar uncool geworden, oder? Das scheint es zumindest zu sein, wenn man nicht gerade in einem 5-Sterne-Schicki-Micki-Luxus-Spa-Resort auf Bali sitzt (Nichts gegen Bali, btw. Wer wäre da nicht gern?). Uncool ist es irgendwie erst dann, wenn man einfach so gar nichts macht. Wenn man Zuhause rum sitzt und nicht mal lässig Pizza in sich hinein stopft, während man irgendwelche Serien auf Netflix suchtet. Uncool ist es so richtig, wenn du einfach nur da sitzt. Wenn du dir also wirklich Zeit für dich nimmst. So gar nichts Instagramwürdiges zu sagen oder zu zeigen hast. Und auch gar nichts zeigen und sagen willst. Kein großer Input, kein großer Output. Einkaufen gehen, Essen kochen, Geschirr spülen, ein bisschen arbeiten, ein bisschen ärgern, ein bisschen kuscheln. Einfach dem gewöhnlichen, stinkend langweiligen Alltag nachgehen und sich dabei von so vielen Ablenkungen wie möglich trennen.

Für mich war das diese Woche Social Media. Meine größte tägliche Ablenkung also. Kein Blog, kein Instagram. Auch auf Emails und WhatsApp-Nachrichten bin ich nicht mehr so schnell und ausführlich wie sonst eingegangen. Unser Leben ist gerade so turbulent, da musste es bei mir dringend ruhiger werden. Das wurde es dann auch. Und ich habe euch nichts weltbewegendes zu berichten. Außer eine Sache vielleicht: wir vergessen alle viel zu oft, was es für ein wunderbarer Luxus ist, wenn man mal offline ist. Mal weg. Einfach so. Nicht ständig und überall erreichbar wie sonst. Und wie verrückt es ist, dass wir zwar alle immer irgendwie wissen, dass dieser ganze Kram unsagbar viel Zeit kostet, aber: „hey, das mach‘ ich doch alles, während ich auf die Bahn/ die Kollegen/ den Weihnachtsmann warte“. So ist es doch, oder? Mal schnell hier, mal schnell da. Ein bisschen im Wartezimmer, einen Moment auf dem Spielplatz, nur kurz während die Bahn-Schranken unten sind. Und genau das hat mich in letzter Zeit wahnsinnig gemacht. Und da hat niemand anderes Schuld, nur ich.

Erwachsen bist du vielleicht dann, wenn du es schaffst, dich selbst in gewisser Weise zu maßregeln. Ab und zu wenigstens. Zu spüren, was zwar lecker/hübsch/amüsant/einfach, aber auf Dauer schlecht für mich ist, war ein langer Prozess und ist immer noch ziemlich schwierig. Sieh diesen Text also als kleine Erinnerung an dich, dass du nichts verpasst, wenn du mal verschwindest. Nichts wirklich wichtiges jedenfalls. Die Welt dreht sich weiter. Und auch wenn dir erst einmal langweilig ist, weil du die kurzen Pausen und lästigen Wartereien tatsächlich nicht mit etwas anderem als dir selbst (oder dem Geschrei der Kinder) füllen kannst: ganz schnell erkennst du dabei, dass du dich genau danach eigentlich unglaublich stark gesehnt hast. Und irgendwie ist zumindest diese kleine Erkenntnis (die für niemanden von uns etwas Neues, jedoch immer wieder hörenswert ist) dann auch doch wieder ziemlich blog- und instagramtauglich. Ein Hoch auf Social Media! Und ein Hoch darauf, dass es sich auch immer mal abschalten lässt!