Was ein Tampon-Hersteller mit meiner Selbstliebe zu tun hat

„Alles ok bei dir?“

„Geht’s Dir nicht gut?“

„Hast du schlecht geschlafen?“

„Oje, bist du krank?“

– „Nein, du Depp! Nur ungeschminkt!“

Ich liebe Make Up. Jeden Morgen freue ich mich auf dieses Ritual. Zähneputzen, Waschen, Schminken. Für mich ist das immer etwas sehr Entspannendes, ich bekomme da ein fast schon Spa ähnliches Gefühl. Diese Ruhe, nur für mich. Der Gedanke, mich für den kommenden Tag schick zu machen. Mich herauszuputzen. Den Tag selbst damit irgendwie als etwas besonderes zu feiern. Der abschließende Blick in den Spiegel; frischer, wacher und gepflegter auszusehen. Für mich der perfekte Start in den Tag. Letzte Woche aber habe ich das Ganze ausfallen lassen. Manchmal ist das so; das ist auch gar keine unglaubliche Seltenheit, geschweige denn ein Problem. Aber dieses Mal war es tatsächlich etwas ganz besonders. Ich blieb nämlich nicht einfach nur Zuhause, ging einkaufen oder mit den Kindern spazieren. Kein gewöhnlicher Alltag. Nein, ich hatte ein Fotoshooting. Ein Fotoshooting für ein unglaubliches tolles Unternehmen. Und das liebe Freunde, war tatsächlich ein denkwürdiges Ereignis. Denn ungeschminkt Essen gehen, Freunde treffen oder gar ein Fotoshooting? Nein, wirklich nicht. Und ich mag mich sogar. Finde mein Gesicht auch ungeschminkt schön. Und genau das brachte mich an diesem Morgen schon das erste Mal zum Nachdenken. Ist das Selbstliebe? Wenn Make Up bei mir so einen enormen Wohlfühlen-Faktor auslöst, mag ich mich dann wirklich bedingungslos?

In Stuttgart angekommen, bei The Female Company übrigens, war ich dann ganz entspannt. Wir alle waren ungeschminkt, locker und offen. Das große Thema war nun einmal ungeschminkt zu sein und so platzte ich nicht in die makellos gestylte Vogue-Redaktion (bei der ich mich trotz all der Selbstliebe dann doch unwohl gefühlt hätte), sondern hatte wie erwartet ein paar ziemlich angenehme, ungezwungene Minuten vor mir. Super freundliches Team, wunderbare Produkte, grandiose Message, unglaublich toller Fotograf. Ich lachte, war glücklich und all die bescheidene Laune vom Vortag (treue Instagram-Follower wissen an dieser Stelle genau, was ich meine) war wie weg gehext. Als ich dann das Ergebnis nach wenigen Sekunden in Kleinformat am PC sah, war ich dann endgültig begeistert. Sah alles top aus, genau so wie ich es mir gewünscht hatte. Und wie glücklich ich war, dass man die Pickel, die mir dank Menstruation vergönnt waren, anscheinend gar nicht sehen konnte. Wie glücklich ich war. Und das brachte mich dann das zweite Mal an diesem Tag zum Nachdenken. Ist das Selbstliebe? Müsste ich meine Pickel nicht total abfeiern, weil hey, immerhin sind sie ja ein Teil meines unfassbar großartigen Ichs?

Noch schnell ein paar Videosequenzen aufgenommen und Zack!, war die Sache schon erledigt. Ich, ungeschminkt? Ach so, ja. Hätte ich fast vergessen. Ist doch gar kein großes Ding.

Als ich dann vor ein paar Tagen die drei besten Fotos zugeschickt bekam, stockte ich kurz. Immer noch finde ich sie wunderschön. Ich liebe diese Bilderreihe wirklich und bin jedes Mal, wenn ich sie anschaue SO, so froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Aber wie komisch ist das, sich so ungeschminkt und gleichzeitig so perfekt ausgeleuchtet zu sehen? Man sieht ja doch Pickel. Und ja, ich habe Augenringe. An diesem Tag war das deutlich zu sehen. Das finde ich ganz kurz richtig schade. Und wieder denke ich nach. Ist das Selbstliebe? „Darf“ ich das fühlen, wenn ich gleichzeitig behaupte, mich selbst zu lieben?

Und wisst ihr, was ich mir selbst darauf antworte? JA! Das ist Selbstliebe. Und genau darum ging es bei dem ganzen Fotoshooting, geht es bei der Kampagne ja: egal, wie du morgens manchmal aussiehst. Egal, wie elendig oder hässlich du dich auch mal fühlst. Egal, was Dir andere vermitteln, wie du auszusehen hast. Egal, was du selbst denkst, wie du auszusehen hast. Du bist schön. Und ich bin es auch. Mit Make Up, aber ganz besonders eben ohne. Es mag ungewohnt sein, weil man ganz anders aussieht. Die Dinge, die man an sich so mag sind weniger betont. Die Dinge, die man an sich weniger schön findet, sind dafür sichtbar. Und sich mal unsicher zu sein, sich in ungewohnten Situationen erst einmal zurecht finden zu müssen, über seinen Schatten zu springen und sich erstmal nur zurückhaltend nackt zeigen zu können, ist voll in Ordnung. Selbstliebe heißt manchmal einfach, die Gefühle, die man so hat, anzunehmen. Sie zu akzeptieren. Und dann abzuwägen, ob man dem Unwohlsein nachgibt oder trotzdem springt. Ich bin gesprungen. Ja, es war zugegebenermaßen kein unfassbar großer Sprung. Diesmal war es eher ein kleiner Hops. In meinem Fall jedenfalls. Aber auch diese kleinen Hopser geben in der Gesamtheit einen großen Schubs in Richtung Weiterentwicklung. Ein Fotoshooting, ganz ungeschminkt? So wie ich bin? Mit breitem Lachen und „Mut“, sich genau so zu zeigen, wie man ist, ohne etwas verstecken zu können? Ja, das ist Selbstliebe.