Brief an meine Tochter (und irgendwie auch an dich)

Ich wünsche mir so sehr, dass alle stets das in dir sehen, was ich sehe. Nämlich, dass du unglaublich klug bist. Und warmherzig. Liebevoll, neugierig und wunderschön. Ich weiß nicht, ob das etwas ist, das jede Mutter über ihre Tochter sagt. So sollte es zumindest sein. Aber es ist auf jeden Fall das, was ich über dich denke. Vor allem wünsche ich mir aber, dass du das über dich selbst denken wirst. Wenn auch nicht an jedem einzelnen Tag, wenn auch nicht immer mit der selben Tiefe und Inbrunst, wie ich es von dir denke. Oh, wie sehr ich hoffe, dass du es dennoch spürst. Dass dich dieser Glaube begleitet. Dich nährt, wenn du zweifelst.

Schau‘ in den Spiegel und seh‘, was ich sehe. Neben all deiner sichtbaren Schönheit. Sieh hin und erkenne bitte, dass es ganz egal ist, was gerade „in“, „hip“ oder „trendy“ ist. Du bist zeitlos. Du bist du. Ich bin so stolz auf dich.

Ich wünsche mir für dich, dass du weißt, dass du geliebt wirst. In jedem Moment. Dass du spürst, dass es ganz egal ist, was du getan oder nicht getan hast. Es ist mir nicht wichtig, was du bist, was du tust und was du lässt. Mich kümmert nicht, wen du liebst, wie du aussiehst oder wie du dich kleidest. Bleib‘ nur glücklich und so wie jetzt: offen und neugierig. Gehe deinen Weg, höre auf deine Stimme und lass dich nicht verbiegen. Es ist so normal, auch mal den falschen Pfad zu wählen. Dinge zu tun, die man besser nicht getan hätte. So, so normal. Das gehört dazu, egal was andere sagen. Glaub‘ mir, dass du nicht immer einen Rat wissen musst. Nicht für andere und vor allem nicht für dich selbst. Verliere dich, falle und stehe wieder auf, weil du weißt, dass jede Dunkelheit das Potenzial hat, hell erleuchtet zu werden. Sei dir selbst diese Lichtquelle. Und falls du das nicht kannst, bin ich für dich da. Immer.

Lass dich nicht von Menschen blenden, die „mehr“ haben als du. Die vorgeben, du müsstest dieses oder jenes besitzen, um dich vollständig zu fühlen. Du brauchst dieses Handy, diesen Rock und dieses Auto nicht. Es ist ok, wenn du mal glaubst, es zu brauchen. Um dazuzugehören, um dich schön zu fühlen oder um dich zu belohnen. Es ist normal, wenn du dich danach sehnst. Aber lass‘ dir nicht einreden, dass das die Dinge sind, auf die es ankommt. Bitte glaub‘ niemals, dass du weniger wert bist als jemand Anderes. Strebe nach dem, was dein Herz schneller und lauter schlagen lässt. Umgib dich mit Menschen, die dich atmen und lachen lassen. Die dich auf wilde, verrückte Ideen bringen, von denen du schon jetzt als Kind so gerne träumst.

Kämpfe für die Dinge, die dir wichtig sind. Du bist weder zu schwach, noch zu uninformiert, noch zu naiv dafür. Erhebe deine Stimme und gib‘ nicht auf, wenn es schwierig wird. Bleib‘ dran. Auch wenn du ins Zweifeln kommst. Auch wenn es einfacher wäre, aufzugeben. Du bist so stark. Schon jetzt. Vergiss das nicht. Es ist alles bereits in dir und wird dort immer sein. Du musst nur den Weg dorthin (zurück) finden.

Ich hoffe, dass du genau so unerschütterlich, optimistisch und auf deine unglaublich unbeschwerte Art weise bleibst, genau wie jetzt. Hör‘ auf deinen wunderhübschen Bauch und blende aus, was dich traurig macht. Pfeif‘ auf all die Magazine, die dir sagen, was du sein solltest. Wer du sein müsstest. Vergiss nicht, dass dein Körper kein Experiment, kein Beispiel für makellose Perfektion ist, sondern dein Tempel. Du wirst das irgendwann lesen und darüber lachen. „Tempel?“, wirst du fragen. „Mama, drehst du jetzt total ab?“ Ja, irgendwie schon. Ich bin einfach verliebt in dich. Und das werde ich immer sein. In dein ganzes, herrliches Wesen. In deine Seele, die in eben diesem Körper Zuhause ist.

Ich liebe dich. Und du hast allen Grund, das auch zu tun. Immer.